Kleine Anfrage vom 14.04.2015

Nachfolgend meine erste kleine Anfrage an den Senat, welche u.a. auf der hier in der FAZ erwähnten Studie basiert.

Deutschlandweit erkennt die Lehrerschaft, dass ihre Schüler die Fertigkeit, mit der Hand zu schreiben, nur noch unzureichend erlernen. Dies ist das am 1. April veröffentlichte Ergebnis der Umfrage „Probleme bei der Entwicklung von Handschrift“ des Deutschen Lehrerverbands und des Schreibmotorik Instituts.

Dabei bestätigen die befragten Lehrer einhellig die zentrale Bedeutung des Schreibens mit der Hand im Ausbildungskanon. Sie bekräftigen hierdurch die Feststellungen diverser Studien, denen zufolge sich durch das häufige handschriftliche Anfertigen von Texten zusammen mit der entsprechenden Schreibmotorik auch das Schriftbild besser einprägt. Damit einhergehend attestiert die Umfrage Schülern mit überdurchschnittlich guter Handschrift insgesamt eine höhere Leistungsfähigkeit. Das erlaubt Rückschlüsse darauf, daß sich beim Schreiben mit der Hand die Rechtschreibung und Zeichensetzung deutlicher leichter erlernen lassen und das Ausdrucksvermögen gesteigert wird.

Aus diesen Gründen monieren die befragten Lehrer auch, daß an Grund- und weiterführenden Schulen immer weniger Zeit für Schreibübungen zur Verfügung steht. Dies ist besonders deswegen alarmierend, weil angesichts der Digitalisierung des Alltags außerhalb des Unterrichts ohnehin kaum noch mit einer Förderung des Handschreibens gerechnet werden darf.

Daraus erwächst die Notwendigkeit, geeignete bildungspolitische Maßnahmen zu ergreifen, um der Vermittlung der Kulturtechnik des händischen Schreibens im Curriculum den Platz einzuräumen, der ihrem entscheidenden Mehrwert in der Ausbildung gerecht wird.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat:

  • Hat die zuständige Behörde in den letzten Jahren Erhebungen dazu vorgenommen, welche Defizite Hamburger Schüler beim Erlernen der Handschrift zeigen? Sind dem Senat daneben anderweitige diesbezügliche Erhebungen bekannt? Falls eigene oder externe Erhebungen dem Senat vorliegen, inwiefern bestätigen sie den Befund der deutschlandweiten Umfrage “Probleme der Entwicklung in der Handschrift” für Hamburg? Falls keine Erhebungen vorliegen, wieso wurden zu diesem Thema in Hamburg von der zuständigen Behörde noch keine Nachforschungen angestellt?
  • Wie viele Unterrichtsstunden werden nach Kenntnis des Senats an Hamburger Grundschulen in den Jahrgangsstufen 1-4 durchschnittlich für Schreibübungen aufgewendet, um Schülern die im Bildungsplan für das Fach Deutsch vorgesehene handschriftliche Kompetenz zu vermitteln? Wie verhält sich diese Zahl zu entsprechenden Vorgaben aus den letzten zehn Jahren, die vor Einführung des aktuellen Bildungsplans galten?
  • Wie verhält sich die gegenwärtig von den Stundentafeln vorgeschriebene Mindestanzahl der Unterrichtsstunden im Fach Deutsch in der Grundschule und in den Jahrgangsstufen 5-10 der Stadtteilschulen und der Gymnasien im Vergleich zu entsprechenden früheren Vorgaben aus den letzten zehn Jahren?
  • Wie wird von der zuständigen Behörde überprüft, daß an Grundschulen die im Bildungsplan Grundschule Deutsch vorgesehene Kompetenz der Handschrift erfolgreich vermittelt wird? Wie beurteilt der Senat diesbezüglich den Nutzen von landesweiten Vergleichsarbeiten?
  • Welche Maßnahmen ergreift die zuständige Behörde gegenüber Grundschulen, an denen die Kompetenz der Handschriftlichkeit nicht hinreichend vermittelt wird?
  • Wie verhält es sich bei den Vorbereitungskursen für Deutsch als Zweitsprache? Wie viele Unterrichtsstunden werden nach Kenntnis des Senats an Hamburger Grundschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien in den Vorbereitungskursen für Schreibübungen aufgewendet, um Schülern die vorgesehene handschriftliche Kompetenz zu vermitteln? Wie verhält sich diese Zahl zu Vorgaben aus den letzten zehn Jahren, die vor Einführung des aktuellen Bildungsplans galten?
  • Ist eine Mindestanzahl für Unterrichtsstunden im Fach Deutsch als Zweitsprache festgelegt? Falls ja, wie hoch ist diese und aufgrund welcher Erwägungen wurde diese Zahl bestimmt? Falls nein, warum wurde keine Mindestanzahl festgelegt?
  • Die von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration herausgegebene Hamburger Bildungsempfehlung für die Bildung und Erziehung von Kindern in Tageseinrichtungen legt letzteren nicht explizit nahe, Kindern das Schreiben beizubringen. Beabsichtigt der Senat dementgegen, in der 21. Wahlperiode die Durchführung von Schreibübungen in Tageseinrichtungen anzuregen oder zu fördern? Falls ja, welche Maßnahmen sollen ergriffen werden? Falls nicht, wieso sieht der Senat hiervon ab?

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