Kleine Anfrage vom 06.05.2015

So wie im gesamten Bundesgebiet drängt auch in Hamburg ein zunehmender Anteil jedes neuen Jahrgangs auf die Gymnasien. So erfreulich die steigende Attraktivität derjenigen weiterführenden Schule ist, die Schüler zur allgemeinen Hochschulreife heranbilden soll, so berechtigt scheint auch die Sorge, dass es hierdurch zu einer Verwässerung von Leistungsstandards kommt.

Begünstigend auf den ungebremsten Zustrom von Schülern an die Gymnasien wirkt sich dabei auch das Elternwahlrecht aus, in Hamburg in § 42 Absatz 4 S. 3 des Hamburgischen Schulgesetzes (HmbSG) normiert: Wo eine Gymnasialempfehlung nicht bindend ist, entfällt die überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit eines Grundschülers als Hürde, um den Bildungsweg zur allgemeinen Hochschulreife einzuschlagen.

Gewiss geht damit die Chance einher, zu Grundschulzeiten zu Unrecht unterschätzte Schüler an einer anspruchsvollen Ausbildung teilhaben zu lassen. Gleichwohl birgt das Elternwahlrecht das Risiko, dass die Sorgeberechtigten entgegen der Empfehlung seiner Grundschullehrer die gymnasiale Laufbahn wählen, obwohl der Betroffene dieser Herausforderung offensichtlich nicht gewachsen ist.

In der Konsequenz scheitert entweder der entsprechende Schüler unnötigerweise am gymnasialen Leistungsdruck oder das Gymnasium senkt – im Einzelfall oder gar flächendeckend – den Erwartungshorizont. Weder im einen noch im anderen Fall könnten die jeweiligen Schulen dann noch der Forderung nach hehren Bildungsstandards gerecht werden, die gesellschaftlich und individuell an sie gestellt wird.

Dies macht es notwendig, die Konsequenzen des Elternwahlrechts sorgfältig zu überprüfen, um die Grenzen seiner Zweckdienlichkeit hinsichtlich des Ziels einer hochwertigen Ausbildung möglichst vieler Schüler zu bestimmen.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat:

  • An welchen Hamburger Grundschulen wurden in diesem und in den vergangenen drei Jahren wie viele Gymnasialempfehlungen i.S.d. § 42 Absatz 4 S. 1 HmbSG ausgesprochen, an welchen wurden keine ausgesprochen? Wie hoch war an diesem Schulen im besagten Zeitraum jeweils der Anteil der Schüler mit Gymnasialempfehlung?
  • Falls sich die Zahl der Schüler mit Gymnasialempfehlung an den Schulen im besagten Zeitraum verändert hat: Worin erkennt die zuständige Behörde die Ursachen für diese Entwicklung?
  • Für wie viele Schüler ohne Gymnasialempfehlung wurde in den vergangenen vier Jahren jeweils der Besuch eines Gymnasiums als weiterführende Schule beantragt? Wie viele Schüler, denen keine Gymnasialempfehlung erteilt wurde, besuchten in den vergangenen vier Jahren die Jahrgangsstufe 5 der verschiedenen Hamburger Gymnasien in absoluten und relativen Zahlen (bitte aufschlüsseln nach Gymnasien und Jahren)?
  • Nach welchen Kriterien bestimmt sich, welche Schüler für den Besuch an Hamburger Gymnasien beim Übergang in die Jahrgangsstufe 5 von den Gymnasien anzunehmen sind? Inwiefern genießt die Gymnasialempfehlung bei der Annahme eines Schülers an ein Gymnasium gegenüber der Nähe des Wohnortes zu diesem den Vorrang? Inwiefern ist Gegenteiliges der Fall? Inwiefern geben sonstige Kriterien wie etwa die Eignung für den am jeweiligen Gymnasium angebotenen Schwerpunkt den Ausschlag?
  • Wie viele Schüler mit Gymnasialempfehlung konnten beim Übergang in die Jahrgangsstufe 5 in den vergangenen vier Jahren nicht zum Besuch der jeweils von ihnen präferierten weiterführenden Schule (das heißt ihrer ersten Wahl) zugelassen werden? Worin liegen nach Auffassung der zuständigen Behörde die Gründe hierfür? In wie vielen Fällen (absolut und prozentual) wurden Schüler ohne Gymnasialempfehlung stattdessen vorgezogen, beispielsweise aufgrund Nähe des Wohnorts zur Schule oder anderer Kriterien? Was hat die zuständige Behörde im besagten Zeitraum unternommen, um die Zahl derjenigen Schüler mit Gymnasialempfehlung zu reduzieren, die nicht ihre präferierte weiterführende Schule besuchen können?
  • Soweit ein Schüler ohne Gymnasialempfehlung, dessen Wohnort nahe am betroffenen Gymnasium liegt, einem distanzierter wohnhaften vorzuziehen ist, dem jedoch eine Gymnasialempfehlung ausgesprochen wurde: Wie begründet die zuständige Behörde diese Bevorzugung? Wie rechtfertigt die zuständige Behörde, dass hierdurch Schülern mit Gymnasialempfehlung der Besuch des von ihnen favorisierten Gymnasiums
    verwehrt bleibt?
  • Gilt ein strenges Prinzip, dass Gymnasien ihre Schüler ausschließlich nach der Nähe zur Schule aussuchen müssen und nicht auf die Gymnasialempfehlung oder andere Kriterien achten dürfen? Und gilt dies gegebenenfalls auch für diejenigen Gymnasien, die besondere Profile anbieten, die nur wenige Schulen in ganz Hamburg anbieten? Ich frage insbesondere nach den Gymnasien wie zum Beispiel das Albert-Schweitzer-Gymnasium (Musik-Profil) oder das Johanneum, Wilhelm-Gymnasium oder Christianeum (altsprachliches Profil), die von Schülern (und ihren Eltern) aufgrund ihres Profils aus ganz Hamburg ausgewählt und besucht werden (Gymnasien mit besonderen, überregionalen Profilen).
  • Falls ein strenges Prinzip der Entfernung Wohnort-Schule auch bei diesen Gymnasien mit besonderen, überregionalen Profilen gilt, schlüsseln Sie bitte für dieses und die vergangenen drei Jahre auf, wie viele Schüler mit Gymnasialempfehlung das von ihnen präferierte Gymnasium mit besonderem, überregionalem Profil nicht besuchen können, weil statt dessen Schüler ohne Gymnasialempfehlung aufgrund der Nähe zur Schule vorgezogen wurden beziehungsweise werden mussten.

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